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Avatar of Anna Spaenhoff Anna Spaenhoff - 19. März 2015 - Allgemein

Lohn(un)gleichheit oder: Nur eine weitere Facette einer ungleichen Gesellschaft

Heute ist es wieder soweit, der EqualPayDay weist auf die Lohndiskriminierung zwischen Männern und Frauen hin. 2015 verdienen Frauen immer noch 22% weniger als Männer.

Ich muss gestehen: für mich ist es nicht logisch, dass Frauen weniger Geld verdienen sollen. Und dass es tatsächlich Männer (leider aber auch zu oft Frauen) gibt, die das sogar rechtfertigen können. Vielleicht ist es aber auch die berühmte weibliche Logik, die mir diesen Blick in die Gehälterüberlegungen von Arbeitgebern und Arbeitgeberinnen trübt.

Gerne wird gerade bei Quoten, Mindestlohn und Lohntransparenz die böse Bürokratie angeführt, die all sowas in den Unternehmen auslöst und Zeit frisst. Auch da kommt wieder meine Logik ins Spiel: Wenn ich ein und denselben Job, dieselbe Stelle, dieselbe Tätigkeit im Betrieb habe, die gleichen Weiterbildungsmodalitäten vorliegen und diese von einem Mann und einer Frau ausgeübt werden, ist es dann nicht total umständlich und aufwendig für das Gleiche und Selbe zwei verschiedene Abrechnungen zu machen? Für mich erschließt sich davon nicht viel, um nicht sogar zu sagen: Sorry, aber das check ich nicht!

Ich soll weniger Geld erhalten und niemand wird vermutlich so ehrlich sein, mir den wahren Grund dafür ins Gesicht zu sagen. Ich habe den biologischen Nachteil, dass dummerweise ich Kinder bekommen kann (man streitet noch darüber, was mit der Menschheit passieren würde, wenn Männer Kinder austragen müssten). Dadurch würde ich dann wohl oder übel irgendwann ausfallen, wenn ich ein Kind erwarte. Aber sollte das nicht auch für jede Firma super sein? Neue Menschen, die Dinge kaufen, die Wirtschaft ankurbeln und die Renten sichern? Also, wenn man das Problem jetzt mal nur wirtschaftlich und nicht emotional und individuell betrachtet.

Letztlich heißt das dann noch: “Frauen verhandeln halt schlecht.” Das klingt für mich immer so, als ob ich dem Arbeitgeber damit schaden wolle, dass ich dort die Arbeit mache. Und dann wage ich es auch noch, den gleichen Lohn zu erhalten, wie der Mann mit der gleichen Stelle? Wie kann ich nur!

Ich habe gelesen, dass Sallie Krawcheck, ehemalige Chefin der Bank of America, schon mal einen wahnsinnigen Fehler machte: sie erteilte einem Mann die anstehende Beförderung ohne Probleme, weil es ihn auszeichnete, dass er aggressiv und risikobereit war, um gute Ergebnisse zu erzielen. Sein weibliches Gegenstück sollte zu einem Coaching gehen, um ihre Ecken und Kanten abzuschleifen. Überraschung: ihre vermeintlichen Ecken und Kanten waren dieselben Eigenschaften, die ihren Kollegen auszeichneten. Erst als Krawcheck darauf aufmerksam gemacht wurde, bemerkte sie ihren Fehler und machte ihn rückgängig.

Ich zahle für mein Bier, meinen Whisky, meinen Cocktail, meine Pizza und meinen Burger denselben Preis wie ein Mann. Laut Studien gehöre ich sogar zu dem besser gebildeten Geschlecht, was Schule, Studium etc. angeht. Und doch soll ich mich damit abfinden, dass es die Wirtschaftslage gerade nicht hergibt, dass ich gleiches Gehalt bekomme? Netterweise soll ich mich dann mit Gutscheinen, Gutschriften, Dienstwagen oder sonstigem zufrieden geben (wobei Männer meistens diese kleinen Vorteile eh schon nutzen dürfen)? Die intransparente Basis auf der ich verhandeln soll erinnert mich ein bisschen an die Spiele Tabu, Activity und co. Nur hier geht es nicht um ein Spiel, sondern um Existenzen, um das Leben, um Menschen! Ich will keine Abspeisung, ich will niemanden schaden und ich will keine Spielchen: ich will nur das, was mir zusteht! Und darüber möchte ich auch informiert sein!

Es gab Zeiten, da hieß es, die Frauen müssten männlicher werden. Aber das Beispiel von Krawcheck zeigt, dass das auch nicht okay ist. Vielleicht ist es also an der Zeit, das Problem von einer anderen Seite zu beleuchten und Menschen so zu nehmen wie sie sind und sie nicht anpassen zu wollen oder ihnen eine Rolle überzustülpen. Nur das würde eine echte Gleichheit endlich erreichbar machen – beim Lohn und überall sonst.

Anna Spaenhoff

Autor

Anna Spaenhoff

Beisitzerin

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