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Avatar of Freddy Cordes Freddy Cordes - 02. März 2016 - Allgemein

Zukunft gibt's nicht für lau – mach et, Siggi!

Eine Liebeserklärung.

Lang hat es gedauert, manche Irritation musste beseitigt, die ein oder andere Provokation verdaut und viel an Frust durchstanden werden. Doch die Geduld hat sich gelohnt: Schluss. Aus. Ende. Endlich kommen wir in den Genuss des erhebenden Gefühls, den eigenen Parteivorsitzenden an unserer Seite zu wissen. Lieber Sigmar, aus tiefstem Herzen möchte ich Dich in unserer Mitte begrüßen. Schön, dass Du da bist.

Was ist passiert? Sigmar Gabriel hat nicht nur die Schwarze Null in Frage gestellt, sondern auch die Wichtigkeit von Investitionen für den Zusammenhalt in der Gesellschaft unterstrichen. Ein klares Plädoyer für einen vorsorgenden Politikansatz, für soziale Absicherung, Daseinsvorsorge, Teilhabe und Bildung für alle. Für einen robusten Staat, statt neoliberaler Hanswurstereien. Für Aufbauen – gegen Kaputtsparen. Investieren statt Lamentieren. Das, Ladies and Gentlemen, ist sozialdemokratische Politik.

Wie geht es weiter? Wir werden gemeinsam mit unserem Captain Siggi die Programmatik der gesamten Partei kapern wie weiland Jack Sparrow die Black Pearl. Denn die Dinger liegen alle schon druckreif in unserer Schublade: Hier, hier, hier und hier. Wir haben im vergangenen Jahr nämlich in geheimer Absprache schon einmal für Sigmar vorgearbeitet. “Zukunft gibt’s nicht für lau!” ist das Stichwort. Nach dem durchschlagenden Erfolg dieses Testballons hat der Parteivorsitzende am Wochenende dann (nach Rücksprache) die Katze aus dem Sack gelassen. Selbstverständlich erwarten wir die Umsetzung unserer Forderungen noch in diesem Jahr – ein Klacks für einen Wirtschaftsminister.

Und was kommt am Ende dabei raus? Wir wollen jetzt nicht übertreiben. Ohne Zweifel wird es jedoch auf nichts weniger als einen Sozialdemokratischen Frühling hinauslaufen. Drunter geht’s nicht. Mindestens 20 Millionen Ex-SPD-WählerInnen werden sich nach kurzem Augenreiben an den Kopp packen und sagen: „Ey, dat is ja meine Partei!“ Von da bis zu Absoluten Mehrheiten in Serie ist es nicht mehr weit. Und für die Zwischenzeit haben wir mal eben noch die Hürden für andere linke Mehrheiten abgebaut. Das wird phantastisch. Mach et, Siggi!

In Liebe,

Dein Freddy.

 

PS: Für kleingeistiges Haare-in-der-Suppe-Suchen ist in diesem Text kein Platz. Dass im Eifer des Gefechts eine abstoßende „Wir – Die“-Polarisierung zwischen „Flüchtlingen“ und „Deutschen“ in die Debatte gerutscht ist, nervt gewaltig. Dass vergessen wurde zu betonen, dass niemand auch nur einen Euro weniger an Rente, Sozialleistungen oder ähnlichem in der Tasche haben wird und die Einwanderung vielmehr wie ein Konjunkturprogramm wirkt, ist zwar ärgerlich, soll unsere Aufbruchstimmung jedoch ebenfalls nicht bremsen. Ebenso werden wir nicht pedantisch auf der Tatsache herumreiten, dass gewisse Teile der SPD bis gestern noch Verfechter von Schwarzer Null und Schuldenbremse waren. Denn wenn wir mit der Vergangenheit anfangen würden, müssten wir ja auch wieder über Absenkung der Spitzensteuer, Abschaffung der Vermögenssteuer, fehlender Kapitalertrags- oder Erbschaftssteuer, Asylpakete und all den anderen Scheiß reden, den Ihr verbrochen habt. Einmal so in Rage, wären wir Ratzfatz wieder bei TTIP, Vorratsdatenspeicherung, Stadionbesuchen oder gar der Agenda. Gerdseibeiuns, da haben wir aber gerade keinen Bock drauf. Wir wollen uns jetzt einfach mal freuen.

Autor

Freddy Cordes

Landesvorsitzender der NRW Jusos

Frederick.Cordes@spd.de
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