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Avatar of Pressestelle Pressestelle - 05. September 2017 - Arbeit, Ausbildung, Bildung, Schule

#gerechtist, wenn azubis nicht für lau arbeiten müssen

 

Hi, ich bin Steffi, gelernte Kauffrau für Spedition und Logistikdienstleistung. Nach meinem Abi habe ich 2012 meine Ausbildung begonnen und mein bequemes Schüli-Dasein gegen das harte Berufsleben getauscht.

Wo die Ungerechtigkeiten anfingen? Auf dem Weg zur Arbeit. Ich wohne nämlich in Hamm, also 45 km bzw. 1,5 Stunden ÖPNV von meiner Ausbildungsstätte entfernt. Da sich von dem geringen Ausbildungsgehalt kein eigenes Auto finanzieren lässt, habe ich mir für ca. 120€ pro Monat ein Zugticket zulegen müssen. Das waren im ersten Ausbildungsjahr also rund 25% meines Nettogehalts und dafür wurde mir nicht mehr erlaubt als von Hamm nach Dortmund zu fahren. Für 120€ pro Monat konnte ich also nicht quer durch NRW reisen, so wie meine studierenden Freund*innen, die ein Semesterticket hatten. Ich habe also jede Freizeitfahrt, die nicht nach Dortmund ging, nochmal extra gezahlt. Gerecht ist, wenn es keine verschiedenen Standards für Azubis und Studierende gäbe.

Was das Gehalt angeht, habe ich selbst im dritten Lehrjahr für weniger als 5€ brutto pro Stunde gearbeitet. Eine eigene Wohnung lässt sich damit natürlich nicht finanzieren. In der Berufsschule habe ich aber erfahren, dass andere Betriebe sogar noch weniger gezahlt haben. So wenig, dass einige Azubis ohne Unterstützung nicht mal mit auf Klassenfahrt hätten fahren können.
Gerecht ist eine Mindestausbildungsvergütung mit der sich ein vernünftiger Lebensstandard gewährleisten lässt und der die Arbeit von Auszubildenden auch würdigt.
Ich hatte Glück, dass mein Betrieb an guten Noten interessiert war. Daher wurden die Kosten für unsere Schulbücher und die Vorbereitungskurse zur Zwischen- und Abschlussprüfungen finanziert. Andere Azubis hatten weniger Glück mit ihren Betrieben und mussten alles von ihrem Gehalt bezahlen. Gerecht ist, wenn Bildung komplett gebührenfrei ist.

Bei einem Gewerkschaftsseminar, für das ich Bildungsurlaub nehmen konnte, habe ich erfahren, dass es unterschiedliche Regelungen gibt. Meine Kollegen aus Berlin haben nämlich einen Anspruch auf doppelt so viele Tage. Gerecht ist, wenn Azubis mindestens 5 Tage Bildungsurlaub pro Ausbildungsjahr haben.

Da ich mit der Personalpolitik in meinem Betrieb unzufrieden war, habe ich schon frühzeitig angekündigt, den Betrieb nach der Ausbildung zu verlassen. Alle meiner Mitazubis, die übernommen wurden, haben nur befristete Verträge bekommen – z.T. sogar nur für 6 Monate.
Gerecht ist, wenn sachgrundlose Befristungen der Vergangenheit angehören!
Trotz alledem bin ich froh eine Ausbildung gemacht zu haben. Danach habe ich nämlich die Freiheit mich auszuprobieren, ein Studium anzufangen und keinen Druck zu haben es zu beenden, wenn es mir nicht gefällt, da ich mit meiner Ausbildung gute Chancen habe, einen Job in der Branche zu finden.

#gerechtist, wenn die Berufsausbildung und alle, die sich für sie entscheiden, endlich die Anerkennung erhalten, die sie verdienen!

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