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Avatar of Jonas Reitz Jonas Reitz - 30. April 2021 - Arbeit, Ausbildung, Bildung, Jugend, Nachhaltige Wirtschaftspolitik, Soziales, Wirtschaft

Nach Corona: Noch weniger Ausbildungsplätze in Deutschland?

Das System der dualen Ausbildung genießt in Deutschland (und teils auch international) ein hohes Ansehen, sowohl bei Ökonom*innen als auch Arbeitgeber*innen und Gewerkschaften. Doch das System hat auch strukturelle Schwächen, die seit Beginn der Coronapandemie besonders deutlich geworden sind.

2020 sind die Auszubildendenzahlen um 11% gesunken. Dass es „nur“ 11% waren, ist dabei wohl den zahlreichen staatlichen Maßnahmen zu verdanken, die ergriffen worden sind . Doch was ist, wenn diese Maßnahmen auslaufen? Eine Insolvenzwelle droht und könnte bis zu 25.000 Unternehmen betreffen. Nicht ausgenommen davon sind Unternehmen, die Staatshilfe erhalten haben. Und eine aktuelle Betriebsbefragung ergab, dass 10% der Betriebe aufgrund der Krise weniger oder gar keine Ausbildungsplätze mehr anbieten wollen. Die Aussichten sind also nicht gut. Wer allerdings einen Blick in den letzten Berufsbildungsbericht wirft, wird feststellen, dass es schon vor der Pandemie erhebliche Probleme gab: In Branchen mit guten Arbeitsbedingungen fehlen Ausbildungsplätze, in Branchen mit schlechten Arbeitsbedingungen gibt es offene Stellen, die viele Jugendliche aber zurecht nicht antreten wollen.

Gesellschaftliche Verantwortung übernehmen heißt: Ausbilden, ausbilden, ausbilden!

Nun gibt es auch Unternehmen, die es sich zwar finanziell leisten könnten auszubilden, aber trotzdem keine Ausbildungsplätze anbieten, um ihren Profit zu maximieren. Denn Ausbildungen bedeuten Kosten. Erstmal. In die Zukunft blickend, wird man aber schnell feststellen, dass Ausbildungen wichtige Investitionen sind. Denn voll ausgebildete Fachkräfte bringen Unternehmen Geld ein. Betriebe, die nicht ausbilden, obwohl sie es könnten, sind also unsolidarisch. Denn sie wollen zwar von Fachkräften profitieren, sich nicht aber an deren Ausbildungskosten beteiligen. Diese Sachlage ist altbekannt, sie existiert unabhängig von der Pandemie. Aber: Die durch die Pandemie bedingte wirtschaftliche Lage könnte dazu führen, dass sie sich verschlimmert. Wenn nichts unternommen wird. 

Das Förderprogramm „Ausbildung sichern“, das Bundesarbeitsminister Hubertus Heil aufgelegt hat, ist gut, aber zu wenig. Es kann die strukturellen Probleme des Ausbildungssystems in Deutschland nicht ausgleichen. Die zentrale Erkenntnis aus der aktuellen Krise muss sein: Dem Mangel an guten Ausbildungsplätzen kann nicht mit dem Hinweis auf die individuelle Schuld junger Menschen begegnet werden. Es braucht einen systematischen Ansatz, der eine gute Ausbildung für alle garantiert und dadurch auch gleichzeitig den Nachwuchs an Fachkräften, Wachstum und Wohlstand sichert.

Wir fordern, was DGB-Gewerkschaften fordern: Ausbildungsplatzgarantie jetzt!

Seit Jahren unterstützen wir die DGB-Gewerkschaften mit ihrer Forderung der Ausbildungsplatzgarantie. Für uns ist nämlich klar, dass das Recht auf Bildung unabdingbar ist. Ganz konkret heißt es, dass jeder Mensch aus dem Grund auch die Möglichkeit haben sollte, sich für eine Ausbildung entscheiden zu können, und somit der Lebensweg nicht von kapitalistischen Umständen abhängig ist. Besonders jetzt in der Coronapandemie ist klar geworden, dass die Reaktion auf die Krise in vielen Betrieben die Einsparung von Ausbildungsplätzen bedeutet. Wir wollen um jeden Preis den Menschen ihr Recht auf Bildung sichern und die betriebliche Bildung stärken. Unsere jungsozialistische Antwort auf die Krise und auch darüber hinaus ist deshalb die umlagefinanzierte Ausbildungsplatzgarantie.

Die Lösung: Mit einem Ausbildungsfond die unterstützen, die ausbilden!

Durch die Ausbildungsplatzgarantie wird den Menschen ein Rechtsanspruch auf einen Ausbildungsplatz gewährt. Dies soll dadurch umgesetzt werden, dass Betriebe, entsprechend ihrer Größe und einer Ausbildungsquote von mindestens 10 Prozent, einen Beitrag in einen Ausbildungsfond geben. Damit sollen all diejenigen verpflichtet werden, die innerhalb einer Kosten-Gewinn-Kalkulation sich dagegen entscheiden, gesamtgesellschaftlich Verantwortung zu übernehmen und auszubilden. Wenn selbst dann Betriebe nicht ausbilden, sollen sie durch eine Ausbildungsplatzumlage dafür zahlen.

Kurzfristig ist aber auch von Bedeutung, dass Betriebe, die jetzt in der Coronapandemie Umsatzeinbußen verzeichnen mussten und dennoch weiter ausbilden, durch eine staatliche Ausbildungsprämie weiterhin unterstützt werden. Junge Menschen dürfen wegen der Pandemie nicht auf der Strecke bleiben. Nicht jetzt und auch nicht in der Zukunft. Die Bildung ist jeher ein zentrales Handlungsfeld für jungsozialistische Politik. Sich für eine fortschrittliche Gesellschaft einzusetzen, heißt die Bildung in all ihren Facetten zu sichern, um den Menschen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Bildung ist Zukunft und deswegen hat jede*r ein Recht auf eine Ausbildung!

Autor*in

Jonas Reitz

Beisitzer

jonas.reitz@nrwjusos.de
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