Alina Preiß
Meine Daten
Geburtsjahrgang: 2006UB/KV: Dortmund
Berufliche Situation: angehende Studentin der Politikwissenschaften
Liebe Jusos,
warum sollte ein junger Mensch heute Mitglied der SPD werden?
Ehrlich gesagt: Diese Frage ist schwieriger zu beantworten als noch vor einigen Jahren. Viele junge Menschen verlieren das Vertrauen in demokratische Parteien, weil sie erleben, dass ihre Sorgen nicht ausreichend aufgegriffen werden und soziale Politik immer weniger spürbar ist. Dass die SPD bei aktuellen Umfragewerten den fünften Platz belegt, zeigt wie groß der Vertrauensverlust inzwischen ist.
Meine Antwort lautet trotzdem: wegen der Jusos.
Denn wir sind der Teil dieser Partei, der Solidarität nicht nur fordert, sondern lebt. Wir kämpfen gegen Diskriminierung, stellen uns dem Rechtsruck entgegen und geben Menschen eine Stimme, die zu oft nicht gehört werden. Wir sind und müssen ein parteiinternes Korrektiv bleiben. Genau deshalb kandidiere ich für den Landesvorstand der NRW-Jusos, um genau da mitzuwirken, wo das Herz der Sozialdemokratie noch schlägt.
Politisiert hat mich besonders die Black-Lives-Matter-Bewegung. Ich war schon vorher politisch interessiert, aber 2020 hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dass politische Debatten auch Menschen wie mich meinen. Plötzlich standen Rassismuserfahrungen im Mittelpunkt öffentlicher Debatten und Menschen wurden ernstgenommen. Dieses Gefühl, gesehen zu werden, wünsche ich allen jungen Menschen. Deshalb ist Repräsentation für mich keine Formalität, sondern die Grundlage dafür, dass Menschen sich zutrauen, Politik mitzugestalten.
Die aktuellen Entwicklungen rund um die AfD zeigen, wie ernst die Gefahr für unsere Demokratie ist. Mit Blick auf die Landtagswahl im nächsten Jahr dürfen wir Nordrhein-Westfalen nicht den Faschist*innen überlassen. Der Rechtsruck gefährdet nicht nur unsere Demokratie, er schränkt marginalisierte Gruppen in ihrem Alltag ein und schafft für sie eine weitere Hürde, sich im politischen Geschehen einzubringen.
Das bedeutet für uns alle, Verantwortung für die eigenen Räume zu übernehmen. Menschen können sich nur politisch einbringen, wenn sie sich sicher fühlen und wissen, dass ihre Perspektiven ernst genommen werden. Deshalb möchte ich bestehende Awarenessstrukturen stärken, denn Awarenssarbeit sollte auch die allgemeine Aufklärung und Sensibilisierung inkludieren. Zudem sollen Vernetzungsstrukturen mehr ausgebaut und gefördert werden – insbesondere für Menschen, die in politischen Zusammenhängen häufig weniger sichtbar sind.
Ein Schwerpunkt meiner politischen Arbeit ist der Feminismus. Durch meine Erfahrungen in der Mädchensozialarbeit sehe ich tagtäglich, wie patriarchale Strukturen den Alltag junger Frauen und genderqueerer Personen erschweren. Feminismus bedeutet deshalb auch, eigene Privilegien zu reflektieren, Repräsentation ernst zu nehmen und bewusst den Weg für FINTA-Personen zu ebnen, damit sie Verantwortung übernehmen und ihre Perspektiven selbstverständlich einbringen können.
Deshalb reicht es nicht aus, Diskriminierung isoliert zu betrachten. Genau hier setzt intersektionales Denken an. Das zeigt sich beispielsweise im Gesundheitssystem: BIPoC-Personen werden in Forschung, Ausbildung und medizinischen Materialien noch immer unzureichend berücksichtigt. Das kann dazu führen, dass Krankheiten später erkannt oder falsch eingeschätzt werden. Auch bei der Stammzellenspende zeigt sich diese Ungleichheit: Menschen mit Migrationsgeschichte haben häufig schlechtere Chancen, ein passendes Match zu finden, weil Spender*innenregister unsere gesellschaftliche Vielfalt nicht ausreichend abbilden. Diese Beispiele zeigen: Koloniale Kontinuitäten prägen bis heute unseren Alltag – auch dort, wo wir sie auf den ersten Blick nicht erwarten.
Diese Perspektive verbindet sich für mich mit meinem Verständnis von Internationalismus. Wer linke Politik machen will, muss internationalistisch denken. Die Arbeiter*innenbewegung war immer dann erfolgreich, wenn Solidarität über Grenzen hinweg gedacht wurde. Gerade in einer Zeit, in der Nationalismus wieder stärker wird, dürfen wir unseren politischen Blick nicht auf Kommunal-, Landes- oder Innenpolitik begrenzen. Klimakrise, globale Ausbeutung, Kriege und Flucht machen nicht an Grenzen halt – unsere Solidarität darf es deshalb auch nicht.
Ich kandidiere, weil ich Verantwortung übernehmen möchte. Im Landesvorstand will ich meinen Beitrag dazu leisten, dass unsere Inhalte mehr Menschen erreichen, unsere Strukturen inklusiver werden und sich junge Menschen in unserem Verband wiederfinden können. Dafür bringe ich meine Erfahrungen aus der Öffentlichkeitsarbeit und der Jugendverbandsarbeit mit.
Ich bin Alina, 20 Jahre alt und beginne im Herbst mein Studium der Politikwissenschaften. Seit Anfang 2025 bin ich Mitglied der Jusos. Aktiv war ich aber bereits lange davor: als Schülersprecherin, in der Jugendbeteiligung, in internationalen Projekten und in der politischen Bildungsarbeit. Schon während meiner Schulzeit war für mich klar, dass ich mich nach dem Abitur den Jusos anschließen möchte. Ich wollte Politik nicht nur begleiten, sondern aktiv mitgestalten. Und das tue ich seitdem mit ganzem Herzen.
Heute engagiere ich mich außerdem im Bundesexpert*innenkreis für Internationales und bringe meine Erfahrungen aus der Jugendverbandsarbeit beim Dortmunder Jugendring ein.
Wenn ich mich nicht politisch engagiere, verbringe ich meine Zeit am liebsten mit Tanzen, Backen, Lesen oder alten 2000er Serien – und wenn es um Fußball oder Formel 1 geht, bin ich auch ein ziemlich großer Nerd.
Ich möchte im Landesvorstand dazu beitragen, dass die Jusos NRW ein Verband bleiben, der Solidarität nicht nur fordert, sondern organisiert: indem wir Menschen zusammenbringen, neue Perspektiven sichtbar machen und gemeinsam eine Gesellschaft gestalten, in der jede*r die Möglichkeit hat, die eigene Stimme einzubringen.
Dafür bitte ich euch um euer Vertrauen.
Alerta und Glück auf!
Eure Alina