Michelle Gnatzy
Meine Daten
Geburtsjahrgang: 2005UB/KV: Dortmund
Berufliche Situation: Studentin, Wirtschaftswissenschaften
Kandidatur für den Landesvorsitz
Liebe Genoss*innen,
unser Sozialstaat und unsere Demokratie werden täglich attackiert. Während unsere Partei es versäumt, diese Angriffe wirksam abzuwehren, braucht es Jusos, die bereit sind, für unsere Werte zu kämpfen. Gemeinsam mit euch möchte ich diese Kämpfe bestreiten und bewerbe mich als eure Vorsitzende. Vor zwei Jahren wurde ich in den Landesvorstand gewählt. Seitdem haben wir gemeinsam eine Bundestagswahl, eine Kommunalwahl, unzählige Verbandsveranstaltungen, Demos, Bildungsarbeit, Antragsdebatten und die ein oder andere durchzechte Nacht miteinander bestritten und genossen. Für diese Zeit bin ich euch allen unendlich dankbar – denn dieser Verband besteht nicht nur aus unserer politischen Arbeit, sondern konkret aus den Menschen,die die NRW Jusos leben und lieben.
Arbeit und Wirtschaft
Arbeit ist weit mehr als Broterwerb. Arbeit bedeutet Selbstverwirklichung und das Einsetzen der individuellen Fähigkeiten, die dazu beitragen, dass unsere Gesellschaft funktioniert. Arbeit ist Identität und einer der größten Teile unseres Lebens, weshalb es elementar ist, dass wir nicht einfach Arbeit schaffen, sondern gute Arbeit. Für alle. Denn dass aktuell für alle Menschen Selbstverwirklichung sei, ist unwahr. Für viele ist sie aktuell notwendiges Übel, um das Überleben zu sichern. Wenn wir in diesem Verband Visionen für gute Arbeit entwickeln, dürfen wir uns von neoliberalen, Narrativen, die unsere Arbeitszeitmodelle, Löhne und Arbeitsrecht angreifen, nicht irritieren lassen. Wenn gesamtgesellschaftlich ausschließlich über Erhöhung von Arbeitszeit gesprochen wird, dürfen und müssen wir produktivitätssteigernde Konzepte wie die Vier-Tage-Woche wieder auf den Tisch bringen. Unsere Visionen sind diejenigen, die ein gutes Leben für alle versprechen. Es ist an uns, in diesen Debatten wieder Deutungshoheit zu gewinnen. Es drohen Abschaffung des Achtstundentags, die Abschwächung des Kündigungsschutzes, die Ausweitung sachgrundloser Befristung bei gleichzeitiger Körperschaftssteuersenkung – eine Politik zugunsten des Kapitals.
Diese Politik, auf die die SPD sich mit der CDU einlässt, widerspricht grundlegend unserem Verständnis der Sozialdemokratie als Bewegung der Arbeiter*innen. Es reicht nicht, den Sozialstaat zu verteidigen. Es braucht einen Ausbau des Sozialstaats und das konsequente Ausräumen neoliberaler Narrative über ihn.
Unser Sozialstaat ist in Relation zum Bruttoinlandsprodukt nicht gewachsen. Die politische Landschaft hat sich nur entschieden, dass der Sozialstaat weniger wichtig sei. Deswegen müssen wir unsere Wirtschaftspolitik als Daseinsvorsorge verstehen, Arbeitsplätze erhalten und den Wandel der Wirtschaft in NRW vorantreiben.
Klima als Klassenfrage
Durch die Klimakrise und die aktuelle ökonomische Entwicklung werden wir in immer mehr Verteilungskämpfe geraten. Bei der letzten Hitzewelle haben wir auch in NRW gesehen, wie dramatisch die Folgen von zu hohen Temperaturen auf armutsbetroffene Personen oder Schutzbedürftige sind. Wie stark Menschen die Folgen des Klimawandels abfedern können, ist eine Klassenfrage. Einen Ausgleich für diese lebensbedrohlichen Ungleichheiten zu schaffen, ist Aufgabe des Staates.Vor dem Hintergrund, dass wir sowohl für den Arbeitsplatzerhalt, aber auch für den absolut essentiellen Klimaschutz eine sofortige Wirtschaftswende brauchen, möchte ich mit euch in NRW für genau das kämpfen. Gemeinsam setzen wir uns für eine Finanzierung der Transformation ein, die außerhalb von kommunalen Haushalten sichergestellt werden muss.
Gleichzeitig müssen Kommunen dabei unterstützt werden, ihre Städte und Kreise hitzeresilient zu gestalten und Wandel in Arbeit, sowie Wirtschaftsförderung finanzieren zu können. Auch Care-Arbeit ist Arbeit und muss auch als solche Wertschätzung in unserer Gesellschaft erfahren. Während Frauen und genderqueere Personen die Mehrheit der Care-Arbeit übernehmen, auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert werden und unsere Steuerpolitik sie aktiv benachteiligt, beschäftigt sich die Wissenschaft nur marginal mit diesen Faktoren.
Feministische Ökonomik
Daraus resultiert eine genderblinde Politik, die gegen diese Ungleichheiten nicht vorgeht und ein patriarchales System zementiert. Ich brenne für feministische Ökonomik und habe Bock, diese wirtschaftliche Denkweise in diesem Verband zu etablieren. Wir müssen uns damit befassen, welche Auswirkungen Wirtschaftssystematiken auf Geschlechter haben und wie wir sie konsequent bekämpfen.
Verbandsleben
Im Zuge der Pandemie hat in diesem Verband ein großer Wissensverlust stattgefunden, von dem wir uns noch nicht vollumfänglich erholt haben. Als Jugendverband haben wir viele Wechsel in den Ämtern, weshalb ich gerne an einer strukturierteren und institutionalisierten Wissensweitergabe und Nachwuchsförderung arbeiten möchte. Nachwuchsförderung setzt voraus, dass es Nachwuchs gibt, weshalb ich mit euch an einer langfristigen Strategie für Neumitgliedergewinnung arbeiten möchte.
Außerdem ist mir ist wichtig, dass wir Formate schaffen, in denen aus der Gesamtheit der Verbandes Jusos, die ähnliche Herzensthemen haben zusammenkommen und in diesen Themenbereichen langfristig an Visionen arbeiten können.
Nächstes Jahr ist Landtagswahl. Ich habe Bock, mit euch den allerbesten Wahlkampf zu gestalten. Wir werden in ganz NRW dafür kämpfen, dass wir die Staatskanzlei holen und NRW wieder sozialdemokratisch regiert wird. Dabei werden wir nicht zulassen, dass wir Abstriche in unseren Grundsätzen machen und eine enge Kommunikation mit der Landespartei pflegen. Ich freue mich darauf, unsere vielen Juso- Kandidierende zu unterstützen und dafür zu sorgen, dass möglichst viele von ihnen 2027 in unserem Landtag sitzen.
Rechtes Gedankengut konsequent bekämpfen!
Wir Jusos sind in NRW die treibende antifaschistische Kraft. Wir sind diejenigen, die gemeinsam mit anderen antifaschistischen Organisationen die Demonstrationen gegen Höcke und Co in den letzten Monaten organisiert haben und so verstehe ich auch unsere Organisation. Ich möchte, dass wir uns gemeinsam darauf vorbereiten, regelmäßiger und kurzfristiger auf Veranstaltungen der AfD und anderen Rechtsextremen zu reagieren und dabei eine breite Zivilgesellschaft zu mobilisieren. Dafür brauchen wir Netzwerke und Handwerkszeug, weshalb ich möchte, dass wir uns als Verband in den nächsten zwei Jahren austauschen und genau dazu zu befähigen.
Über mich
Mein Name ist Michelle, ich bin 20 Jahre alt, studiere Wirtschaftswissenschaften und bin studentische Mitarbeiterin in unserer Ratsfraktion in Dortmund. Ich möchte eure Landesvorsitzende werden, um uns innerhalb dieser Partei und in der Öffentlichkeit das Gehör zu verschaffen, das uns zusteht. Denn wir haben die richtige Ideen und werden diese Partei weiter auf links drehen. Ich bin seit 2021 in der SPD und seitdem in meiner geliebten Heimatstadt Dortmund aktiv, wo ich vor allem in der Kommunalpolitik viel über politische Prozesse und Umgang mit dieser Partei lernen durfte. Seit Anfang 2023 bin ich aktiv bei den NRW Jusos und habe in diesem Verband mein politisches Zuhause gefunden. Ich liebe diesen Verband und freue mich darauf, mit euch für das gute Leben für alle zu kämpfen.
Wir sehen uns in Kölle!
Alerta und Glück auf.
Eure Michelle