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NRW Jusos – Magazin

25. August 2025

Das gute Leben

Aus dem Verbandsmagazin (Nr. 33): Wir kämpfen für Kommunen, in denen das gute Leben für alle möglich ist – egal ob im ländlichen Raum, in der Großstadt oder im Mittelzentrum. Ein wesentlicher Bestandteil eines guten Zusammenlebens ist die Freizeitgestaltung durch Kultur, Sport und Ehrenamt. Dabei haben wir klare Vorstellungen davon, wie das Leben in einer Kommune attraktiver gestaltet werden kann. Ein schöner Einstieg in diesen Beitrag findet sich in § 1 Abs. 1 S. 2 der Gemeindeordnung NRW:

„Die Gemeinden fördern das Wohl der Einwohner in freier Selbstverwaltung durch ihre von der Bürgerschaft gewählten Organe.“

Doch was bedeutet dieses „Wohl“ konkret? Oder besser: Was macht „Das gute Leben“ aus – und welche Rolle haben die Kommunen dabei nun?

Der öffentliche Raum

Die Gestaltung des öffentlichen Raums liegt im Wesentlichen in den Händen der Städte und Gemeinden. Sie entscheiden weitgehend selbst über Plätze, Hallen oder andere Einrichtungen.

Klar ist, damit wir weiterhin Entscheidungsspielraum über die Plätze haben, auf oder in denen wir uns aufhalten, muss öffentlicher Raum auch öffentlich bleiben. Die zunehmende Privatisierung schränkt die Gestaltungsmöglichkeiten der Gemeinschaft ein. Denn damit verschwinden Orte, an denen sich Menschen ohne Konsumdruck begegnen. Sich im Park zu treffen kostet nichts, ein Treffen in der Cocktail- Bar hingegen schon. Gegen diese Privatisierung müssen wir uns wehren – nur so entstehen angstfreie Räume und Treffpunkte, etwa kostenlose Sport- und Freizeitflächen für Jugendliche.

Die Kultur

Kultur entsteht und lebt vor Ort – und Kommunen tragen dafür Mitverantwortung. Sie schaffen die Rahmenbedingungen, indem sie Räume bereitstellen und Projekte fördern. Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie verletzlich der Kulturbereich ist. Dabei ist Kultur essenziell: Sie fördert Bildung, schafft Identität und macht das Leben lebenswerter.

Kultur ist dabei weit zu verstehen – sie umfasst Theater, Museen und Bibliotheken genauso wie Stadtfeste, Gedenkveranstaltungen oder Vereinsleben. All das lässt sich kommunal gestalten. Ein Beispiel: Die Haaner Kirmes ist für die Stadt Haan mit rund 30.000 Einwohner*innen ein riesiges Event mit über 400.000 Besucher*innen – viele davon jung. Auf Initiative der Jusos wurde das Fest um einen Tag verlängert. Auch Sonderausstellungen, etwa zur Hip-Hop-Kultur, zeigen, wie vielfältig Kulturförderung vor Ort aussehen kann.

Der Sport

Sport ist weit mehr als körperliche Bewegung – er verbessert Gesundheit, schafft Gemeinschaft und fördert Teilhabe. Deshalb kommt auch hier der Kommune eine zentrale Rolle zu.

Sportvereine sind auf kommunale Unterstützung angewiesen. Städte können Hallen zur Verfügung stellen, Flächen erhalten, Vereine finanziell unterstützen und so niedrigschwellige Angebote sichern.Gerade im Breitensport werden wichtige Werte wie Respekt, Teamgeist und Solidarität gelebt. Zudem ist die integrative Kraft des (Vereins-)Sports von immenser Bedeutung.

Doch auch hier steigt der Druck: Fehlende Ressourcen, steigende Kosten und knappe Haushalte erschweren vielerorts den Zugang. Dabei zeigt gerade der Vereinssport, wie gut Gemeinschaft funktionieren kann – wenn er gefördert wird.

Der Sport als Basis des guten Lebens – das Beispiel Hilden

Sport bringt Menschen zusammen, genau das habe ich selbst viele Jahre in meiner Heimatstadt Hilden erleben dürfen. Viele Kinder und Jugendliche starten, wie ich, schon früh in einem der zahlreichen Vereine. Vom ersten Grundschuljahr bis ins Studium habe ich selbst aktiv Jazz-Modern-Dance im Leistungssportbereich getanzt. Parallel dazu bin ich im selben Verein auch einige Jahre geschwommen.

Dass so viele Menschen in Hilden sportlich aktiv sind, verdanken wir der Vielfalt der Vereine und dem Stadtsportverband. Rund 50 Vereine mit etwa 12.000 Mitgliedern, darunter über 4.000 Kinder und Jugendliche, sind hier organisiert. Der Verband vertritt die Vereine gegenüber der Stadtverwaltung und Politik, unterstützt sie, koordiniert Schulprojekte und organisiert Veranstaltungen wie das „Deutsche Sportabzeichen”. Mit seiner Ausstattung hilft er zudem allen Vereinen in Hilden – wovon die gesamte Stadtgesellschaft profitiert.

Ich selbst habe viele dieser Möglichkeiten genutzt und nutze sie auch heute noch. Mein Schwimmtraining fand im städtischen Hallenbad statt, das, wie auch das Freibad, von den Stadtwerken Hilden betrieben wird. Die Stadtwerke gehören vollständig der Stadt und sind ein gutes Beispiel für eine kommunale Struktur, die direkt den Menschen vor Ort zugutekommt. So, wie man dies auch in vielen anderen Städten findet. Ich konnte mit meiner Mannschaft unkompliziert zu Ligaturnieren anreisen, da man sich bei der Stadtverwaltung den „Stadtwerke-Bus“ genau für solche Anlässe ausleihen kann. Das ist eine wertvolle Unterstützung für alle Sportteams und hilft dabei, Teilhabe im Vereinsleben möglichst barrierearm zu gestalten.

Moderne Sportstätten wie große Hallen, Mehrzweckhallen und Kunstrasenplätze schaffen die nötigen Rahmenbedingungen, damit sich alle auf den Sport konzentrieren können und nicht an fehlender Ausstattung oder Sauberkeit scheitern. Besonders der Breitensport, der den Großteil der Vereinsaktivitäten ausmacht, profitiert davon. Diese Investitionen ermöglichen den Vereinen, ihre Angebote professionell und zeitgemäß umzusetzen.

Viele Vereine stehen aber vor großen Herausforderungen.

Die kostenlose Nutzung städtischer Hallen war lange in Hilden selbstverständlich, inzwischen fallen Gebühren an. Auch wenn diese im Vergleich niedriger sind als in anderen Kommunen. Dennoch heißt das für alle Vereine: weniger Flexibilität, mehr Planungsaufwand und weniger Raum für spontane Angebote. Diese Entwicklung ist Folge der angespannten Haushaltslage, wie es auch in vielen weiteren Kommunen in NRW der Fall ist.

Vereinssport bringt Menschen jeden Alters zusammen und vermittelt wichtige Werte wie Respekt und Zusammenhalt. Er ist ein Ort praktischer demokratischer Bildung. Deshalb müssen wir das Sportangebot erhalten und ausbauen. Gerade in Zeiten knapper Kassen ist es wichtig, dass Kommunen in Sport investieren, um das gesellschaftliche Miteinander sowie die Lebensqualität und Zufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger zu stärken.

Das gute Leben funktioniert nur gemeinsam. Die Kommune ist der Ort, wo sich dieses „Gemeinsam” realisieren lässt. Gestaltet also das gute Leben mit!

Zum Autor: Çağatay Maloğlu (21) war drei Jahre kommunalpolitisch aktiv in seiner Heimatstadt Ratingen als sachkundiger Bürger und ist im Landesvorstand der NRW Jusos.

Zur Autorin: Hannah Hammer (26) ist Vorsitzende der Jusos Kreis Mettmann, Mitglied im Rat der Stadt Hilden und hat jahrelang aktiv Jazz-Modern-Dance im Leistungssportbereich getanzt.


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